Dein Herz schlägt für dein Leben – aber wie lange noch?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit Todesursache Nummer eins – noch vor Krebs oder Infektionen. Was viele nicht wissen: Der Großteil dieser Erkrankungen ist vermeidbar. Doch dafür müssen wir eines tun: frühzeitig handeln.
Prävention beginnt nicht mit dem ersten Medikament – sondern mit dem ersten Gedanken.
Viele Menschen glauben, dass Herzprobleme erst im Alter relevant werden. Ein gefährlicher Irrtum. Denn die Prozesse, die zu Arterienverkalkung, Bluthochdruck oder Herzinfarkt führen, beginnen oft Jahrzehnte vor dem ersten Symptom. Je früher wir den Blick auf unser Herz-Kreislauf-System lenken, desto größer ist unser Einfluss.
Und dieser Einfluss beginnt nicht in der Notaufnahme – sondern im Labor.
Die unsichtbaren Frühwarnzeichen in deinem Blut
Zwei Blutwerte sind dabei besonders entscheidend: ApoB und Lipoprotein(a) – auch Lp(a) genannt.
ApoB: Der zuverlässige Risikomarker
ApoB ist ein Eiweiß, das an sogenannte „Cholesterin-Taxis“ gebunden ist – die gefährlichen LDL-Partikel. Je mehr ApoB, desto mehr dieser Partikel kreisen durch deine Gefäße. Sie lagern sich ab, fördern Entzündungen und blockieren den Blutfluss – bis zum Infarkt. Idealwerte? Deutlich unter 50 mg/dl – optimal um die 30 mg/dl. Leider liegt der Labor-Referenzbereich oft viel zu hoch.
Lp(a): Der genetische Risikofaktor
Lp(a) ist tückisch. Er lässt sich kaum durch Ernährung, Bewegung oder andere Lifestyle-Faktoren beeinflussen – denn er ist genetisch festgelegt. Etwa jeder fünfte Mensch trägt ein erhöhtes Risiko in sich – oft ohne es zu wissen. Ein einmaliger Test genügt, um Klarheit zu schaffen. Ein hoher Wert bedeutet: mehr Power unter der Haube – aber auch mehr Bremsdruck nötig, um sicher auf der Straße zu bleiben.
Der Mythos vom „bisschen zu hohen Cholesterin“
Das größte Problem ist nicht der erhöhte Blutdruck oder das bisschen Cholesterin – es ist die Unwissenheit. Die meisten Menschen kennen ihre Werte nicht. Sie leben mit einem trügerischen Gefühl der Sicherheit, während im Inneren längst Prozesse laufen, die sich über Jahrzehnte aufbauen und irgendwann zuschlagen.
Dabei ist das Wissen um ApoB und Lp(a) nicht nur ein Laborwert. Es ist ein Schlüssel zu einem gesünderen, längeren Leben.
Was du konkret tun kannst:
- Lass deine ApoB- und Lp(a)-Werte bestimmen. Am besten in einem spezialisierten Labor oder über einen Longevity-Experten.
- Halte ApoB so niedrig wie möglich. Ziel: unter 50 mg/dl, optimal: um 30 mg/dl.
- Bei erhöhtem Lp(a): Achte noch stärker auf deine Lebensweise – Bewegung, Anti-Entzündungs-Ernährung, Verzicht auf Nikotin, optimale Blutdruckwerte.
- Bleib informiert. Wissenschaft und Medizin entwickeln sich rasant. Neue Therapieansätze für Lp(a) stehen in den Startlöchern.
Deine Gesundheit – dein Tempo
Wenn du nichts tust, rauscht dein Leben vielleicht schneller auf dien Abgrund zu, als dir lieb ist. Wenn du aber heute Entscheidungen triffst, die dein Herz schützen, kannst du nicht nur länger fahren – sondern auch jede einzelne Etappe deiner Reise intensiver und bewusster genießen.
Studienquellen:
- Sniderman, A. D., et al. (2019). Apolipoprotein B versus non–high-density lipoprotein cholesterol and low-density lipoprotein cholesterol as the preferred marker of cardiovascular risk. Journal of the American College of Cardiology, 73(24), 3158-3165.
- Nordestgaard, B. G., et al. (2010). Lipoprotein(a) as a cardiovascular risk factor: current status. European Heart Journal, 31(23), 2844–2853.
- Ference, B. A., et al. (2019). Association of genetic variants related to lipoprotein(a) levels with risk of coronary disease and major cardiovascular events. JAMA, 321(1), 55–64.